Informationsbesuch zur Weißenfelser Neustadtproblematik

Integrationsstaatssekretärin Susi Möbbeck in Weißenfels

Am vergangenen Freitag (16.02.2018) besuchte die Integrationsstaatssekretärin des Landes Sachsen-Anhalt Susi Möbbeck auf Einladung des SPD-Landtagsabgeordneten Rüdiger Erben Weißenfels. Hintergrund des Besuchs ist die Problematik in der Weißenfelser Neustadt.

Oberbürgermeister Robby Risch und Mitarbeiter der Weißenfelser Verwaltung stellten der Staatssekretärin die gesamte Problematik in der Weißenfelser Neustadt vor. Von den 9.001 Einwohnern in der Neustadt haben 37,9% einen Migrationshintergrund. Dabei schlüsselt sich diese Zahl größtenteils auf drei EU-Staaten auf: Polen 46%, Rumänen 21% und Ungarn 12%. Anfangs waren die EU-Ausländer vor allem Arbeitsmigranten. Das hieß, für ein paar Monate in Weißenfels arbeiten und danach wieder zurück zu ihren Familien.

Seit 2013 verzeichnet die Stadtverwaltung, laut der Integrationsbeauftragten Katja Henze, einen Anstieg bei den polnischen Arbeitern, die ihre Familien nach Weißenfels nachholen und sich hier niederlassen. Diese Entwicklung hat natürlich zur Folge, dass Kitaeinrichtungen und Schulen in Weißenfels einen erhöhten Anteil an Migranten aufweisen. Per se ist dies kein Nachteil, allerdings bringen sprachliche Defizite, vor allem wenn die Kinder eingeschult werden und nicht vorher eine Kita besucht haben, enorme Probleme mit sich. Ein normaler Unterricht ist nahezu unmöglich. Hierzu meinte OB Risch, „das Land ist hier gefordert, bessere Angebote für die Schulen zu machen, auch in Form von Sprachlehrern oder pädagogischen Mitarbeitern.“

Ein weiteres Problem in der Neustadt ist die soziale Zusammensetzung der dortigen Bevölker. Neben den EU-Ausländern gibt es eine große Anzahl an verfestigten ALG II Empfängern, die für sich keine Perspektive mehr sehen. Rüdiger Erben erklärte diesbezüglich, „hier ist es immens wichtig allen eine Perspektive aufzuzeigen. Niemand darf gegeneinander ausgespielt werden. Denn sind wir doch ehrlich, die EU-Ausländer machen die Arbeit in der Fleischindustrie, die keiner der Deutschen mehr machen will. Also zieht das Argument, die nehmen uns die Arbeitsplätze weg, nicht.“

Um eine bessere Integration zu gewährleisten, wünscht sich die Stadt ein Begegnungszentrum in der Neustadt. Leider besitzt die Verwaltung aufgrund der schwierigen Haushaltslage derzeit keine Mittel, ein solches Projekt personell sicherzustellen. Hier versprach Staatssekretärin Möbbeck, dass sich das Land hier mit einem Modellprojekt zur Integration von EU-Ausländern engagieren wird.

Nach der Gesprächsrunde mit Vertretern der Stadt besuchten Staatssekretärin Möbbeck und der Landtagsabgeordnete Rüdiger Erben gemeinsam die Integrative Kindertagesstätte „Kunterbunte Kinderträume“ in der Beuditzstraße 14 in Weißenfels.

Hier erläuterten Ralf Müller, Geschäftsführer der Integra Weißenfelser Land gGmbH, gemeinsam mit der Leiterin der Kitaeinrichtungen Frau Müller und den Kitaleiterinnen der „Kunterbunten Kinderträume“ Frau Kutschbach und des „Kleeblatts“ Frau Hartmann, den Alltag in den Kitaeinrichtungen mit einem Migrationsanteil von über 30%.

Trotz sprachlicher Probleme entwickeln sich die Kinder der EU-Ausländer genauso gut wie die Einheimischen. Dennoch wäre es wünschenswert, dass sich der Betreuungsschlüssel für Kitas erhöht, die einen großen Anteil an Migranten aufweisen. Damit könnte man die Kleinen noch viel besser auf die bevorstehende Schulzeit vorbereiten. Denn es gibt auch bei vielen deutschen Kindern vermehrt Sprach-und Entwicklungsprobleme.

Sowohl Staatssekretärin Möbbeck als auch das Mitglied im Finanzausschuss des Landtages Rüdiger Erben wiesen darauf hin, dass das KiFöG in den nächsten Monaten noch einmal überarbeitet werden soll. Allerdings konnten beide nicht versprechen, dass sich der Koalitionspartner auf eine Erhöhung des Betreuungsschlüssels einlässt. Denn eine kleine Veränderung im KiFöG hat regelmäßig eine Millionenerhöhung zur Folge. Ob sich die Haushaltspolitiker darauf verständigen können, hängt auch mit den Entwicklungen im Bund zusammen.

Abschließend stellte die Integrationsstaatssekretärin Möbbeck fest, „Integration kann gelingen, wenn die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Hier ist allerdings nicht nur die Stadt Weißenfels in der Pflicht, sondern auch das Land Sachsen-Anhalt.“

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