FES-Veranstaltung in Naumburg

Deutschlands Russlandpolitik und die Interessen des Kremls

Am gestrigen Abend nahmen rund 100 Interessi erte an der Veranstaltung der Friedrich- Ebert-Stiftung zu „Deutschlands Russlandpolitik und die Interessen des Kremls“ im Naumburger Gasthof „Zur Henne“ teil.

 

In einem gut 50-minütigen Vortrag erläuterte in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal der Russland-Experte Dr. Christian Wipperfürth das Spannungsverhältnis in den „westlichen Staaten“ gegenüber Russland. Dabei bildeten sich in den letzten Jahrzehnten zwei Lager heraus. Auf der einen Seite das US-amerikanische, zu dem Großbritannien, Polen und Kanada zählen, auf der anderen Seite Deutschland, das vor allem als Vermittler auf der internationalen Bühne in Erscheinung tritt. Wenn heute Deutschland diese Rolle einnehmen kann, so ist vor allem auf die Entspannungspolitik Willy Brandts zurückzuführen, die ab den 1970er Jahren für jeden deutschen Regierungschef Staatsräson war und bis heute ist. Diese „Konfliktlinie“ zwischen den westlichen Staaten illustrierte Wipperfürth an zahlreichen Beispielen, wie dem Kaukasuskrieg, dem Ukrainekonflikt oder auch dem Syrienkrieg.

In der anschließenden Diskussion, die vom Weißenfelser Landtagsabgeordneten Rüdiger Erben moderiert wurde, nahmen die Themen Krim-Annektierung, der Ukrainekonflikt, der Bau der Nord Stream 2 und das deutsch-russische Verhältnis einen breiten Raum ein.

Vor allem die Auseinandersetzung um die Krim zeigte, wie emotional die deutsch-russischen Beziehungen werden können. So fanden viele Bürger, dass der „Westen“ die Volksbefragung auf der Krim, nach der eine überwältigende Mehrheit sich für einen Anschluss an Russland ausgesprochen hatte, anerkennen müsse. Wipperfürth entgegnete, dass die Annektierung rechtlich fraglich ist, aber das Thema an sich lieber hintenangestellt werden sollte, wenn man mit der russischen Führung Gespräche führe. Es ist aus seiner Sicht besser, kleine Schritte der Annäherung zu vollziehen als Russland für längere Zeit auf internationaler Bühne zu isolieren.

Zum Abschluss der Veranstaltung stellte ein Bürger richtigerweise fest, dass die Beziehungen zwischen der deutsch-russischen Bevölkerung seit Jahrzenten eng miteinander verbunden sind, vor allem natürlich der ostdeutschen Bürger. Diese Völkerfreundschaft müsse gepflegt werden, denn immerhin trägt sie zum Frieden in Europa bei. Sowohl Wipperfürth als auch Erben schlossen sich dieser Aussage an und beendeten die Veranstaltung mit dem Wunsch, dass Deutschland sein außenpolitisches Gewicht wieder mehr auf Vermittlung und Aussöhnung zwischen Russland und den anderen westlichen Staaten einsetzen muss, ganz im Sinne der Annäherungspolitik Willy Brandts.

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